In ihrer Papiermanufaktur im österreichischen Sajach fertigt die Gründerin des Start-ups Seedpap, Marion Peternell, Papier mit zwei Leben. Nach dem Gebrauch können aus Verpackungen, Grußkarten oder anderer Papeterie blühende Pflanzen gezogen werden. Das verleiht den Produkten einen besonderen Charme – und schafft eine wichtige Lebensgrundlage für bedrohte Wildbienenarten.

Bald ist es wieder so weit: Weihnachten steht vor der Tür. Damit verbunden sind aber nicht nur glänzende Kinderaugen und eine besinnliche Zeit, sondern auch Unmengen an Geschenkverpackungen und Grußkarten, die bereits wenige Minuten nach dem Auspacken im Müll landen. Jedes Jahr steigen die Abfallmengen zur Weihnachtszeit um 20 bis 30 Prozent, berichtet der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben. Hinzu kommt: Foliertes Geschenkpapier in der Papiertonne schadet der Umwelt. Eine nachhaltige Alternative mit einem ganz besonderen Clou bietet die Österreicherin Marion Peternell mit Seedpap.

Handgeschöpftes Saatpapier

Seedpap ist handgeschöpftes Saatpapier. In die Papierfasern eingearbeitet sind je nach Sorte unterschiedliche heimische Samenmischungen. Je nach Mischung kann das Papier nach der Verwendung auf oder unter Blumenerde gelegt werden und der Samen keimt. Das innovative Papier wird in Handarbeit aus Faserstoff in der eigenen Papiermacherwerkstatt der Österreicherin angefertigt. Das macht jedes Stück zum Unikat. Seedpap ist ein festes Papier, dem die eingearbeiteten Samen eine individuelle Struktur verleihen. Die Einsatzmöglichkeiten für das „blühende“ Papier sind vielfältig – sie reichen von Geschenkpapieren und -schachteln über Grußkarten bis hin zu Briefpapier und Geschenkanhängern, die bedruckt werden können. Auch individuelle Schöpfungen oder Stanzformen für exklusive Kundengeschenke oder besondere Anlässe sind möglich. Hierfür arbeitet Peternell mit einem Stanzenbauer zusammen. Auf Wunsch kann das Saatpapier auch aus Heu oder anderen Pflanzen hergestellt werden. Selbst Kleidung aus Leinen oder Baumwolle kann verarbeitet werden.

Die Besonderheit: In die Papierfasern eingearbeitet sind nicht irgendwelche Samenmischungen, sondern immer Saatgut, das speziell auf Wildbienen abgestimmt ist und ihnen – einmal ausgesät – eine dringend benötigte Nahrungsquelle bietet.

Für die Wildbienen

Wildbienen liegen der Gründerin von Seedpap, die auch als Imkerin tätig ist, besonders am Herzen. Sie leben – anders als die Staaten bildenden Honigbienen – meist einzeln als sogenannte „Einsiedlerbienen“ und sind für die Bestäubung von Blütenpflanzen überaus wichtig. So sind viele Nutzpflanzen auf Wildbienen als Pollenüberträger angewiesen. Auch eine Vielzahl von Tierarten wie Käfer, Fliegen oder Vögel sind von ihnen als Futterquelle abhängig.

Was viele nicht wissen: Wildbienen sind stark bedroht. In Mitteleuropa sind je nach Region zwischen 25 Prozent und 68 Prozent aller Wildbienenarten gefährdet. In Deutschland etwa steht laut BUND über die Hälfte der Wildbienenarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten; über 30 sind vom Aussterben bedroht. Die Ursache liegt wie so oft im Verhalten des Menschen. Landschaften ohne Hecken und Wildblumen sowie der Einsatz von Pestiziden machen es Wildbienen mit ihrem Flugradius von nur maximal 1500 Metern rund um ihr Nest immer schwerer, ein ausreichendes Nahrungsangebot zu finden.

Seedpap betrachtet Peternell als logische Ergänzung zu ihrer Arbeit als Imkerin: Bereits ein kleines Stück blühende Bienenweide im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann Wildbienen und anderen Insekten das Überleben sichern. Gleichzeitig will sie so aktiv zur Aufklärung über die Bedeutung der Wildbienen beitragen. Aber wie funktioniert Saatpapier denn nun genau?

Dem Papier beim Wachsen zusehen

Am besten eignen sich die im Saatpapier eingearbeiteten Samen laut Marion Peternell für den Garten oder einen großen Blumentopf auf dem Balkon. Der ideale Zeitpunkt, um das Papier zum Keimen zu bringen, ist je nach eingearbeitetem Saatgut von April bis Anfang August. Papiere mit Kräutersamen können schon ab Februar im Haus vorkeimen. Dazu muss das Papier in Stücke geschnitten, auf einem Saatbeet mit fein gesiebter Erde verteilt und mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden. Anschließend gut gießen und an einem hellen, warmen Ort dauerhaft feucht halten. Nur so können die Samen keimen und den heimischen Wildbienen ein vielfältiges Nahrungsangebot bieten.

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Foto: SEEDPAP  Foto: SEEDPAP  Foto: Sabine Se/Adobe Stock 

 

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